Sind deine Gedanken an schlimmen Ereignissen schuld?

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Polarisierende Fragen

Inwieweit bist du mit deinen Gedanken verantwortlich, wenn dir etwas passiert? Du hattest beispielsweise einen Unfall oder wurdest geschlagen.

Wolltest du das unbewusst? Waren deine negativen Gedanken darin involviert? Fehlte dir das Glück oder hattest du einfach nur Pech?

Die Frage, ob du selbst an schlimmen Ereignissen schuld bist, ist sehr speziell. Wortwörtlich scheiden sich an diesem Punkt die Geister.

Vor allem wenn ganz schreckliche Dinge passieren, reagieren Menschen auf Schuldzuweisungen sehr polarisierend – zu Recht, denn wenn einem selbst oder geliebten Menschen etwas zustößt, sind das immer einschneidende Momente.

Gerade hier sollte man sich vor einer Re­fle­xi­on der Geschehnisse aber nicht scheuen.

Wenn etwas schwierig ist, solltest du nie die Augen einfach verschließen.

Deswegen bekommst du von uns ein paar Denkansätze, die dir bei solchen Themen in Zukunft helfen.

Ausgeraubt und Geschlagen

Um das Ganze realistisch zu besprechen, nehme ich ein eigenes schlimmes Beispiel.

Ich wurde schon mal in meinem Leben ausgeraubt und anschließend zusammengeschlagen.

War ich daran selbst schuld?

Bewusst gewünscht hatte ich mir das definitiv nicht! Dennoch ist es irgendwie passiert. Selbst eine anschließende Anzeige bei der Polizei war erfolglos und die Täter wurden nie gefunden.

Das war natürlich für mich besonders traurig und verursachte durchaus Wut in mir. Wie bei Menschen üblich malte ich mir irgendwelche Rachebilder gegenüber den Tätern aus.

Dadurch ist es eher nur noch bitterer für mich geworden und eine Verbesserung trat nicht ein.

Fehlte mir also nur ein Perspektivenwechsel oder eine innere Vergebung für die Täter?

Zunächst muss eine Tatsache klar sein:

Schreckliche Momente sind schrecklich

Das kann und sollte man nie von der Hand weisen!

Unmenschliche Taten werden in unserer Kultur mental sowie gesetzlich verurteilt und das ist richtig so.

Kein Mensch sollte geschlagen werden! Niemanden sollte – aus welchen Gründen auch immer – körperlicher oder seelischer Schmerz zugefügt werden.

Da gibt es meiner Meinung nach nicht viel zu diskutieren. Der Punkt ist einfach Fakt.

Darüber solltest du dir nach einem fürchterlichen Vorfall auf jeden Fall bewusst sein.

Doch hatte ich in meinem Beispiel nur Pech oder war eine Beeinflussung meinerseits dabei?

Unpersönliche Wahrscheinlichkeiten

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Das ist es an sich worüber wir hier sprechen: Wahrscheinlichkeiten die bei einem Ereignis aufeinander prallen.

Je nachdem wer du bist und wie du dich verhältst, umgeben dich Wahrscheinlichkeiten, was dir alles wiederfahren könnte.

Es handelt sich dabei um eine Verteilung von emotionslosen Möglichkeiten.

Zum Verständnis eine kleine Erläuterung:

Ich könnte auf der Stelle tot umfallen, doch das ist eher unwahrscheinlich.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ich dir jetzt die nächsten Zeilen schreiben werde ist wesentlich höher. Deswegen wird es auch höchstwahrscheinlich so eintreffen.

Da jeder Mensch seine eigenen Wahrscheinlichkeiten hat, interagiert damit alles miteinander. So ist das Ganze aufgebaut.

Beeinflussung möglich

Da deine Gedanken und dein ganzes Wesen Teil von Allem sind, wirkst du auf die Wahrscheinlichkeiten permanent ein.

Was nicht bedeutet, dass du einfach fliegen kannst nur weil du dir es vorstellst. Die Wahrscheinlichkeit, dass du es nicht kannst ist unüberwindbar hoch. Du hast als Mensch natürliche Grenzen.

Was es aber bedeutet: Mit einem passenden Mind-Set kannst du Wünsche schneller erreichen. Aber Vorsicht: Darum geht es im Leben nicht!

Vielmehr solltest du deine persönlichen Projektionen auflösen und dich den dir gestellten Herausforderungen des Lebens stellen. Erst dann kann man von echter Entwicklung sprechen.

Bedenke, dass belastende Momente dazugehören und bearbeitet werden müssen. Obwohl vielleicht gerade dein Leben alles andere als leicht ist, kannst du dabei trotzdem wachsen!

Was bedeutet das genau?

Kommen wir nochmal zu meinem Raubüberfall zurück. Zunächst gebe ich dir noch ein paar mehr Informationen.

An diesem Abend bin ich stark betrunken aus einer Diskothek gekommen. Ein Freund fragte mich noch wortwörtlich vorm Verlassen: „Bist du dir sicher, dass du so alleine nach Hause laufen willst? Ich würde in einer halben Stunde auch gehen.“

Doch das interessierte mich nicht, da ich unter anderem zu jener Zeit Kampfsport ausübte.

Außerdem bin ich in der damaligen Nacht einen unüblichen Weg gelaufen. Hinzu kommt, dass ich auch schon damals eher schmächtiger und klein war.

Jetzt ändern wir die Perspektive in die besagten Wahrscheinlichkeiten.

Mit meiner betrunken Art, dem torkelnden Gang und der schwachen Körperstatur gab ich als Opfer eine gute Gelegenheit für die Täter ab. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich als leichtes Raub-Ziel identifiziert werde, war groß.

Ein Angriff wäre mit einem erhobenen Haupt und festen Schritten meinerseits deutlich unwahrscheinlicher gewesen.

Sei ehrlich zu dir, du hast als Kind bestimmt auch schon mal ein „leichtes Opfer“ für irgendetwas gewählt. Dazu zählt z.B. auch das bewusste Töten von kleinen Tieren.

Über mehr sprechen wir hier nicht, nur von unpersönlichen Wahrscheinlichkeiten.

Hätte, hätte, Fahrradkette

Natürlich hätte alles anders kommen können.

Ich hätte einen anderen Nachhauseweg einschlagen können, ich hätte mich nüchtern mit meinen Kampfsporterfahrungen gewehrt oder ich hätte am besten ganz zu Hause bleiben sollen.

Du liest immer das Wort „Hätte“, doch der schlimme Überfall war so wie er eben war. Was bleibt sind meine schwammigen Erinnerungen darüber.

Diese Geschehnisse muss ich mir gegenüber eingestehen, auch wenn ich “dumm“ war.

Akzeptanz ist immer der erste Schritt zur Heilung, ansonsten lässt es dich nie los.

Deine Geschichte entscheidet

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Was dir ebenfalls klar sein muss: Letztendlich raubt dir nur deine eigene Geschichte über das Passierte die Kraft.

Je nachdem welche Gedanken du dir darüber machst, ändert sich die Beziehung zu dem Ereignis. Das kann bis zu Traumata führen.

Nochmal an dieser Stelle: Auf keinen Fall sollen Tragödien abgewertet oder heruntergeredet werden!

Probiere einen perspektivischen Abstand zu gewinnen, wenn du bei meinen Worten Unverständnis empfindest.

Du bist nie deine Gedanken

Du kannst dir deine gedanklichen Geschichten immer wieder vorspielen. Mache deine Augen zu und lasse die negativen Erlebnisse wie einen Film ablaufen.

Doch egal an wie viele Details du dich erinnern kannst – deine Gedanken sind Fantasie. Oft dichten wir noch Zusätzliches hinzu, was überhaupt nichts mit der Vergangenheit zu tun hat.

Der Moment war wie er war, alles andere sind Einbildungen und eigene Geschichten darüber. Die Frage der Fragen ist:

Ist das wirklich wahr was ich denke?

Schließlich sind wir alle ein Produkt unser individuellen Konditionierungen und Glaubenssätzen.

Versuche deswegen zu hinterfragen, anstatt dich deinen Gedanken einfach nur hinzugeben.

Oft trügt der Schein, die Wahrheit findest du in der Stille.

Viel Spaß beim Philosophieren ;-)

Photos: unsplash.com

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